Gisbert Bultmann
Rechtsanwalt & Notar

Tagesklinik der Geriatrie am Prosper i. Re

Auftanken für den Tag

Gemeinsam - reden und zuhören. Schwester Pia Kretschmann mit Margret Weis (85), der es sehr gut geht und die eigentlich nur unter Blutdruckproblemen litt. Hier wird sie medikamentös eingestellt, sie lernt Qui-Gong und hat Gesellschaft.


Geriatrische Tagespflegekliniken: Für Heimbewohner, die eine stärkere medizinische Betreuung benötigen.

Aber auch für Menschen mit eigener Wohnung. Als Aufbauprogramm

Recklinghausen. Spannung liegt in der Luft. Obwohl man im gemütlichen Teil steckt: Kaffee, aber kein Kuchen, das wäre zu viel, jetzt nach dem Mittag. Ein paar Kekse vielleicht, etwas plaudern. Doch ein bisschen guckt man auf die Uhr. Warum, was ist los?

Qui-Gong.

Da steht sie, die Qui-Gong-Lehrerin. Die Frau Christiane Leestmans. Auf die man hier schon gewartet hat. Rein in den Aufzug. Und hingesetzt. Im Kreis.

Dr. Helmut Frohnhofen, Leiter der Geriatrischen Tagesklinik am Prosper-Hospital in Recklinghausen, sagt, wie wichtig es ist, dass die Menschen aktiviert werden. Und nicht nur das, das noch viel Wichtigere fast, das ist die Gemeinschaft.

Im Kreis sitzen.

"Fast wie die Kinder", ruft die Dame, die 98 Jahre alt ist. Der Herr im Trainingsanzug sagt zu seinem Nachbarn: "Alle Achtung, die hat nicht mal ´nen Rolli." Die Dame ist ohne Rollator unterwegs. Die Dame wirkt so, wie man sich das Alter wünschen kann. Warum also die Tagesklinik?

Alte Menschen, so Frohnhofen, erkranken anders. Häufig so, dass es von der Umgebung - und auch von ihnen selbst - nicht wahrgenommen wird. "Ganz schnell versagt dann der Appetit. Es wird nicht mehr genügend getrunken, die Menschen bauen ab", so der Arzt. Schleichend, aber mit großer Konsequenz komme es zu einer deutlichen Verschlechterung des Zustandes. Deshalb, so Frohnhofen, sei es oft einfach nur wichtig, dass die alten Leute von Grund auf richtig eingestellt werden. Was die Medikation angeht: "Oft müssen auch Medikamente abgesetzt werden."

Die Tagesklinik als Auftankstelle. Es komme vor, dass auch Patienten aus Heimen für eine gewisse Zeit hier betreut werden. "In Heimen geht es ja in erster Linie um Pflege und Betreuung", so Frohnhofen. "Hier wird dann das Medizinische getan." Hoher Blutdruck eingestellt. Oder die Depression therapiert.

Viele, die hier im Kreis sitzen, wohnen allerdings noch allein. Wie Ludavika Czechowicz, die mit 83 rosig aussieht, Lippenstift trägt und Goldkette. "Ja, hier geht es mir gut", sagt sie. Zu Hause, sie lebt allein, hatte sie Durchblutungsstörungen. Und leichte Depressionen. Wie Evelyn Krüger (73), die heute zum ersten Mal da ist, die ihre Handtasche sehr eng auf dem Schoß hält.

Auch sie sitzt jetzt im Kreis.

Da, wo per Qui-Gong das innere Lächeln trainiert wird. Was gut im Sitzen geht. Denn man bewegt die Finger. Massiert mit der Rechten die Linke. Aktiviert die Energiebahnen. So sehr, dass auch Frau Krüger warm wird in der Hand, dass sie die Handtasche loslässt. Und massiert und lacht und sagt: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich heute noch so . . ", sie bricht ab, nimmt die Tasche. Sagt "so froh bin". Zu Hause leide sie seit zwei Jahren unter Depressionen. "Die wollen rauskriegen, warum." Vor zwei Jahren starb ihr Mann. Und kurz darauf der Sohn.

Wie kann ein Herz das aushalten? Bluthochdruck, Depression - so spricht der Körper, doch der Mensch hört oft nicht hin. Macht weiter. Sitzt herum, bläst Trübsal. Hat zu nichts mehr Lust. Dr. Helmut Frohnhofen: "Die Menschen sollten wissen, dass man ihnen sehr gut helfen kann." Mit den richtigen Medikamenten, aber auch mit den richtigen Therapien, zu denen das Zuhören unbedingt gehört. Das weiß auch Schwester Elisabeth Rybak, pflegerische Leiterin der Tagesklinik.

Über die Angelika Hahn sagt, dass sie einer verwandten alten Dame das Leben wieder lebenswert gestaltet habe. "Meine Tante war im Pflegeheim. Sie war kaum ansprechbar. Lag nur noch im Bett", so Angelika Hahn. Sie ließ nicht locker, brachte die alte Dame in die Tagespflege. "Schwester Elisabeth rief mich noch am Nachmittag an und sagte, dass meine Tante schon herumläuft." Die Dame heißt Frieda Sommerer (85). Sie ist nicht apathisch, sie liegt nicht im Bett, wohnt heute in einem anderen Heim. Liest, telefoniert mit ihrem Lebensgefährten in Berlin, der sie oft besucht. Mit ihm geht sie spazieren.

Dr. Frohnhofen sagt: "Eine Tagesklinik hat andere Möglichkeiten als ein Heim. Man muss aber eine Lanze brechen für das, was die Pflegenden dort leisten. Dennoch werden manche Infekte, die bei alten Menschen sehr schleichend verlaufen, oft nicht bemerkt. Der Allgemeinzustand wird schlechter. In der Tagesklinik kann man gezielt reagieren." Wie bei Frau Sommerer. Wichtig sei, dass Angehörige darauf hinweisen, wenn etwas nicht gut läuft. Mit der Heimleitung reden. Wenn das nichts bringt, Kontakt zu einer Tagesklinik suchen. Wie bei Frau Sommerer.

"Alle Achtung, die hat nicht mal ´nen Rolli."


WAZ vom 17.01.2006 Von Petra Koruhn

 


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